Wir sind mitten in der festlichen Osterzeit. Mit gutem Grund hat die Kirche für uns eine lange Zeit – sieben Wochen oder 50 Tage – von Ostern bis zum Pfingstfest eingerichtet, in der wir in den Lesungen immer auf die Erfahrungen der ersten Christen aus der Apostelgeschichte und in den Evangelien auf die Kerngedanken der Osterzeit verwiesen werden.
Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte:
Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
„WENN DICH DEIN LEBEN NERVT, STREU GLITZER DRAUF.“
Dieser Satz fand ich auf einer Postkarte geschrieben, auf schwarzem Grund und vielen Glitzerpartikel. Ich musste lächeln. Denn es gibt in dieser außergewöhnlichen Zeit des Coronavirus vieles, das mich nervt und anstrengend ist, wenn beispielsweise ich nicht mehr mit meiner Mannschaft Hockey spielen kann oder wenn das Toilettenpapier im Supermarkt schon wieder ausverkauft ist.
Ostern ist ein Fest an dem mir bewusst wird, wie weltumspannend es ist. Wir feierten das Fest der Auferstehung Jesu vor 2 Wochen am 12. April. Letzten Sonntag, 19. April, feierten es die orthodoxen Christ*innen. Sehen wir auf die Wurzeln von Ostern, so schauen wir auf das Pessachfest unserer älteren Geschwister im Glauben, den Juden. Gefeiert wird hier die Befreiung aus der ägyptischen Gefangenschaft mit dem Durchschreiten des Roten Meers. Bei den Moslems hat eben der Fastenmonat Ramadan begonnen. Darin wird an die Offenbarung des Wort Gottes im Koran erinnert.
Diese Hochfeste der drei Religionen zeigen uns das Wirken Gottes bis in den menschlichen Alltag hinein. So wirkt Gott weltumspannend!
Auferstehung immer wieder
nach all den Karfreitagen in unserem Leben
Lasst uns die Hoffnung auf Auferstehung nicht aufgeben
und du guter Gott gib uns immer wieder Kraft und Mut dazu
„Ostern ist anders“. Das kann man wohl heute besonders sagen. Die Osterfestfreude können wir nicht mehr in einer großen Gemeinschaft teilen. Wir müssen technische Hilfsmittel nutzen, um sie uns gegenseitig mitzuteilen.
„Ostern ist anders“. Von alters her gilt diese Aussage. Und doch ist sie zu jeder Zeit für einen persönlich oder für sein gesellschaftliches Umfeld mal mehr, mal weniger bedeutsam.
„Ostern ist anders“ Für die Jünger*innen Jesu erst recht. Was sie sahen, führte sie nicht unmittelbar zum Auferstehungsglauben. Sondern sie mussten schrittweise erfahren: „Jesus ist auferstanden!“ Sie erfuhren Ostern als etwas, das sie mit der Zeit verändert, das sie anders macht.
Die Leinen über dem Kreuz auf dem Bild geben eine Ahnung davon, was es heißt, sich dem Kreuz und dem Grab zu nähern und Ostern zu entdecken.
Leiden und sterben – das muss Jesus an Karfreitag. Leiden und sterben müssen jeden Tag ungezählte Menschen.
In den letzten Wochen kam das Leiden und Sterben aber immer näher. Zuerst in China, dann nach Europa und Deutschland und schließlich nach Esslingen. Und wie der Tod Jesu am Kreuz ist auch der Tod an COVID 19 ein langsamer, ein schrecklicher Tod.
Doch nicht nur die schwer erkrankten Menschen und deren Angehörige leiden unter dem Virus. Von seinen Auswirkungen sind wir alle – in unterschiedlicher Weise – betroffen. Omas und Opas sollen Ihre Kinder und Enkel wochen- und monatelang nicht sehen. Sie sollen zuhause bleiben, möglichst isoliert, auch Alleinlebende. Für psychisch Kranke ist die Situation oft schwer zu ertragen, ebenso für Frauen und Kinder, für die ihr Zuhause wegen eines gewalttätigen Mannes kein sicherer Ort ist.
Wir feiern Gottesdienst in Verbundenheit mit allen, die ebenfalls an einem Tisch mit Kerze, Kreuz. Bibel, Brot und Wein sitzen.
Wir sind zusammen als eine Gemeinschaft. Als Seine Familie. Wir lassen uns in diesem Gottesdienst hineinnehmen in ein besonderes Geschehen. Jesus will selbst in Brot und Wein Teil von uns werden. Wir teilen das Brot. Seinen Leib. Wir trinken den Wein. Sein Blut. Damit ruft Jesus uns in seine Nachfolge. Sie ist gekennzeichnet durch Liebe, Güte und Vergebung.
Liebe Familien,
ganz anders als erwartet ist unser Leben in diesen Wochen: Die Kinder lernen zuhause, viele Dinge wie Sport, Musik, gemeinsam draußen spielen…, fallen aus. Manche Eltern können nicht arbeiten gehen, andere müssen weiterhin arbeiten und kämpfen mit einer größeren Belastung.
Auch in der Kirche ist alles anders: In diesen Tagen um Ostern feiern wir normalerweise viele und ganz besondere Gottesdienste, auch mit den Familien. In diesem Jahr müssen alle Osterfeierlichkeiten ausfallen. Auch die ganzen Vorbereitungen auf Ostern, die normalerweise im Kindergarten und in der Schule stattfinden, gibt es diesmal nicht. So ist es ganz schön schwer in Osterstimmung zu kommen. Aber positiv gesehen: Auch wenn vieles drumherum ausfallen muss – Ostern kann nicht ausfallen, denn Jesus ist auferstanden und das ändert sich nicht!